20 Jahre Haft für tamilischen Journalisten

09.09.2009 - 20:59 Uhr

Er hatte Sri Lankas Behörden vorgeworfen, die Regionen mit überwiegend tamilischer Bevölkerung nicht ausreichend mit Nahrungsmitteln zu versorgen - dafür muss ein Journalist für 20 Jahre ins Gefängnis. Die Richterin sah in seinen Artikeln einen Verstoß gegen das Anti-Terror-Gesetz.

 

Colombo - Der verurteilte J.S. Tissainayagam muss für 20 Jahre in Haft. Wegen kritischer Artikel über den Kampf der Regierung in Sri Lanka gegen die tamilischen Rebellen. Grundlage für die Entscheidung war ein Gesetz zur Terrorverhinderung. Tissainayagam hatte 2006 und 2007 in der inzwischen nicht mehr existierenden Zeitschrift "Northeastern Monthly" das Vorgehen der Regierung in dem Konflikt kritisiert und den Behörden vorgeworfen, überwiegend von Tamilen bewohnten Gebieten Nahrungsmittel und andere Mittel des Grundbedarfs als Mittel des Kriegs vorzuenthalten.

 

Richterin Deepali Wijesundara am Hohen Gericht erklärte, die Artikel hätten gegen das Anti-Terror-Gesetz verstoßen und darauf abgezielt, in der Gesellschaft Disharmonie zu schaffen. Außerdem habe der Journalist Geld für eine Publikation beschafft, deren Berichte gegen das Anti-Terror-Gesetz verstießen. Staatsanwalt Sudarshana de Silva erklärte, zwar garantiere die Verfassung Pressefreiheit. Doch habe niemand das Recht, bewusst falsche Berichte zu veröffentlichen, die zu Gewalttaten führten. Verteidiger Anil Silva erklärte dagegen, der 45-jährige Tissainayagam habe stets für die Menschenrechte gekämpft und niemals versucht, Hass zu schüren. Er kündigte an, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen.

 

Menschenrechtsorganisationen beschuldigen die Regierung, im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg massiv die Pressefreiheit zu beschneiden. Tissainayagam wird von Amnesty International als politischer Häftling bezeichnet. Er wurde im März 2008 festgenommen und fünf Monate später unter der Terrorgesetzgebung angeklagt. Selbst US-Präsident Barack Obama hatte dem Journalisten Rückendeckung gegeben.

 

Internationale Medienrechtsgruppen werfen der Regierung vor, Notstandsgesetze zu nutzen, um öffentliche Kritik an ihrem Vorgehen verstummen zu lassen. Gewaltsame Übergriffe auf Journalisten würden dagegen nicht untersucht. Die Regierung hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

 

Die tamilischen Rebellen kämpften seit 1983 für die Unabhängigkeit der tamilischen Minderheit in Sri Lanka. Im Mai endete der Bürgerkrieg mit der Niederlage der Rebellen. In dem Bürgerkrieg kamen zwischen 80.000 und 100.000 Menschen ums Leben.

 

 

Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,646120,00.html